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Bewerben im Ausland: So klappt’s auch mit dem Lebenslauf

Bewerben im Ausland: So klappt’s auch mit dem Lebenslauf

 

In den letzten Wochen haben wir häufig übers Auswandern, den Karrierestart in einem neuen Land und die unterschiedlichen Arbeitsrealitäten außerhalb Deutschlands gebloggt. Nur eines haben wir bislang nicht behandelt: Wie kommt man eigentlich an den so viel beschriebenen Job fernab der Heimat und was muss man bei einer Auslandsbewerbung besonders berücksichtigen? Bernadette Seiler, die für den Bewerbungsservice Die Bewerbungsschreiber.de im Bereich Marketing tätig ist und für das Portal  Karriere Guru  Ratschläge rund um das perfekte Anschreiben und den maßgeschneiderten Lebenslauf verfasst, hat uns im Interview verraten, auf welche Besonderheiten sich Bewerber außerhalb Deutschlands einstellen sollten.

 

Bernadette Seiler berät Jobsuchende im Hinblick auf die perfekte Bewerbung.

Bernadette Seiler berät Jobsuchende im Hinblick auf die perfekte Bewerbung.

 

Viking: Andere Länder, andere Gepflogenheiten – was sollten Bewerber, die sich auf eine Stelle im englischsprachigen Ausland bewerben möchten, unbedingt beachten?

Bernadette Seiler: „Prinzipiell kommt es in den Feinheiten immer auf das Land an, in dem sich jemand bewerben möchte. Es gibt jedoch ein paar eher allgemeine Informationen, die Kandidaten im Vorfeld sammeln sollten: Dazu gehört die gründliche Recherche zum jeweiligen Unternehmen ebenso wie Erkundigungen, ob ein CV oder ein Resümee gefordert ist. Das CV, oder eben Curriculum Vitae ist vergleichbar mit dem Lebenslauf, tabellarisch und (anti-)chronologisch. Das Dokument bleibt beständig, umfasst alle wichtigen Stationen der bisherigen Karriere und hat keinerlei Beschränkung in der Länge. Das Resümee, oder auch Résumé, wird speziell für jede Bewerbung verfasst und soll auf einen Blick alle relevanten Informationen liefern. Daher ist es auch maximal zwei Seiten lang. Der Verfasser ist nicht an eine chronologische Reihenfolge gebunden, sondern kann sich selbst optimal darstellen.

Wichtig ist es auch herauszufinden, inwiefern die Bewerbung schon bereits vor dem Versand anonymisiert werden soll. Viele Unternehmen übernehmen für eine erste Auswahl selbst die Anonymisierung der Bewerbungen, um dem Personaler die konkreten Angaben wie Bild, Familienstand etc. erst kurz vor dem Vorstellungsgespräch zukommen zu lassen. Doch gerade in amerikanischen Unternehmen wird die Bewerbung direkt aussortiert, sobald sie ein Bewerbungsfoto beinhaltet. Vermieden werden sollten auch unbedingt Rechtschreib- und Grammatikfehler sowie die beliebten False Friends. Und die Unterschriften unter den Dokumenten nicht vergessen!

Bewerber haben an dieser Stelle auch die Möglichkeit, sich von einem professionellen Dienstleister für Bewerbungen entweder bei der Erstellung oder Korrektur helfen zu lassen. Wenn dann die Einladung zum Vorstellungsgespräch erfolgt, gilt es, vor allem die kulturellen Gepflogenheiten im Umgang mit den Vorgesetzten zu beachten.“

 

Quelle: https://www.flickr.com/photos/dirkvorderstrasse/ via Creative Commons

Quelle: https://www.flickr.com/photos/dirkvorderstrasse/ via Creative Commons

 

Viking: Die meisten deutschen Firmen stellen Arbeitszeugnisse nach wie vor auf Deutsch aus. Ist es für eine englischsprachige Bewerbung zwingend notwendig, alle Arbeitszeugnisse übersetzen zu lassen, oder gibt es hier andere Möglichkeiten?

 Bernadette Seiler:  „Vorweg, ganz konkret muss diese Frage immer im Einzelfall geklärt werden. Prinzipiell ist es so, dass Arbeitszeugnisse im englischsprachigen Raum nicht die gleiche Relevanz haben, wie es im D-A-CH – Bereich der Fall ist. Weiter verbreitet hingegen sind Letters of References oder kurze telefonische Rücksprachen mit dem aktuellen Arbeitgeber.

Eine Möglichkeit ist, sich das Arbeitszeugnis direkt in zwei Sprachen ausstellen zu lassen. Jedoch kann es in diesem Fall schnell zu Übersetzungsfehlern kommen, sodass der hochgelobte flexible Mitarbeiter „flexible“ und somit plötzlich unentschlossen ist.

Alternativ dazu bietet sich die einfache Frage an, inwiefern es möglich ist, einen entsprechenden Letter of Reference für eine Bewerbung im englischsprachigen Raum zu verfassen.

Wird kein Arbeitszeugnis angefügt, so kann es vorkommen, dass der Personaler mit dem bisherigen Arbeitgeber die Rücksprache von sich aus sucht. Das ist gerade für Bewerber ungünstig, die sich ohne das Wissen ihres jetzigen Arbeitgebers und ohne einen entsprechenden Vermerk der Diskretion in der Bewerbung um einen neuen Job bemühen. Des Weiteren kann es in diesem Punkt vorkommen, dass die Englischkenntnisse des Vorgesetzten eingerostet sind. Wie gut dann der eigentlich exzellente Mitarbeiter noch dasteht, ist fraglich. Trotz der Ungewissheiten ist es jedoch rein für den Beweis der bisherigen Erfahrungen ratsam, das Arbeitszeugnis beizulegen, so wie es auch Prof. Arnulf Weuster rät.“

 

Viking: Gibt es besondere Fallstricke für deutsche Bewerber, die sich auf eine Stelle im englischsprachigen Ausland bewerben möchten und was sind absolute „No-Gos“ in englischsprachigen Anschreiben?

 Bernadette Seiler: „Wie bereits kurz angerissen, sind Fallstricke vor allem die sogenannten False Friends. Ganz beliebt ist natürlich bei den Kontaktdaten „Handy“ statt Mobile phone oder einfach Mobile und bei der Anrede des Chefs auch selbiges Wort zu nutzen, wodurch der Banker schnell zu einem Chefkoch wird. Ein weiteres Problem tritt auf, wenn der Bewerber das Resümee mit einem CV verwechselt und so entsprechend falsche Unterlagen versendet.

Zu den absoluten No-Gos beim sogenannten Cover Letter der Bewerbung, beziehungsweise beim Anschreiben, gehört die reine Übersetzung des eigenen deutschen Anschreibens, da es dann schnell vorkommt, dass sich die eben erwähnten False Friends einschleichen. Des Weiteren muss der Bewerber darauf achten, dass er die Aktivform verwendet, ausdrucksstarke Verben benutzt und vor allem den richtigen Ansprechpartner des jeweiligen Unternehmens herausfindet. Lange und verschachtelte Kettensätze sind ein weiteres No-Go. Zum einen führen diese schneller zu Fehlern und zum anderen können diese Sätze den Leser an sich sehr leicht verwirren. Zu guter Letzt ist es maßgeblich zu beachten, in welchem Sprachraum sich der Bewerber bewegt. Ein konsequentes hin und her zwischen dem britischen und amerikanischen Englisch gilt es genauso zu vermeiden, wie britisches Englisch bei einem amerikanischen Unternehmen.“

 

Quelle: http://www.flazingo.com/ via Creative Commons

Quelle: http://www.flazingo.com/ via Creative Commons

 

Viking: Inwiefern unterscheidet sich ein klassisch aufgebauter Lebenslauf für den deutschen Arbeitsmarkt von Lebensläufen in englischsprachigen Ländern?

Bernadette Seiler: „Das ist abhängig davon, ob nun ein CV oder ein Resümee gefordert ist. Der CV unterscheidet sich kaum von dem uns bekannten Lebenslauf. Er ist tabellarisch aufgebaut, beinhaltet die wichtigen Stationen im Arbeitsleben und ist vor allem chronologisch. Wer in seinem Lebenslauf seine Abschlussnoten angeben möchte, der muss diese zunächst auf die entsprechenden Noten im britischen Schulsystem umrechnen. Übrigens sind bei britischen Bewerbungen das Geburtsdatum sowie die Staatsangehörigkeit, für das Arbeitsvisum, Pflicht. Referenzen hingegen sind dem CV nicht zwangsläufig anzufügen, je nachdem, was die Stellenausschreibung von dem Bewerber fordert. Es genügt der Vermerk, dass die Referenzen auf eine Nachfrage hin umgehend vorgelegt werden können.

Das Resümee hingegen unterscheidet sich deutlich vom Lebenslauf. Wie bereits erwähnt, umfasst das Resümee eine DIN A4 Seite, die alle wichtigen beruflichen Stationen in der Privatwirtschaft zusammenfasst. Forschungsschwerpunkte oder das Studium selbst, sowie die dort erlangten Noten sind eher unwichtig. Zudem gilt es, das eigene Berufsziel mit hinzuzufügen. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass es beim Resümee nicht auf eine lückenlose Dokumentation, sondern auf die Aufzählung der für den Job relevanten Highlights in der bisherigen Karriere ankommt. Daher gilt es auch, für jede Stellenausschreibung ein eigenes Resümee anzufertigen. Wie bereits erwähnt, muss der Bewerber an dieser Stelle daran denken, dass amerikanische Unternehmen die Bewerbung anonymisiert erhalten wollen, beziehungsweise diese selbst im Nachhinein anonymisieren. Übrigens, wer sich in den USA auf einen Job im Bereich der Forschung bewirbt, der benötigt zumeist einen CV und kein Resümee. Bei dem CV müssen die erlangten Noten, falls aufgelistet, dann ebenfalls entsprechend umgerechnet werden.“

 

Quelle: https://www.flickr.com/photos/desiitaly/ via Creative Commons

Quelle: https://www.flickr.com/photos/desiitaly/ via Creative Commons

 

Viking: Arbeitnehmer, die sich von Deutschland aus im Ausland bewerben, haben oftmals mit zeitlichen und finanziellen Problemen zu kämpfen, müssen sie zu jedem Bewerbungsgespräch in das jeweilige Land reisen. Gibt es hier Tipps für das Bewerben von Deutschland aus, die Zeit und Geld sparen?

Bernadette Seiler: „Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Kandidaten. Das Unternehmen ist sich natürlich darüber bewusst, dass der Kandidat selbst eventuell nicht aus der direkten Umgebung kommt. Viele Unternehmen bieten, gerade bei Bewerbungen für Führungspositionen, die Übernahme der Reisekosten an. Sollte das nicht der Fall sein, so ist es vollkommen legitim, wenn der Bewerber beim Unternehmen selbst nachfragt, ob ein Teil der Reisekosten übernommen wird.

Eine andere Möglichkeit ist das Telefoninterview. Wer weder die Mittel, noch die zeitlichen Kapazitäten hat, mal eben für ein Vorstellungsgespräch ins Ausland zu fliegen oder zu fahren, der sollte dies dem entsprechenden Unternehmen mitteilen. Gerade dann, wenn es sich lediglich um ein einzelnes Gespräch handelt, haben die meisten Betriebe Verständnis dafür und nutzen die Möglichkeit eines Telefoninterviews. Hierbei muss der Bewerber jedoch darauf achten, dass sowohl ein ungestörter Empfang als auch ein ruhiger Raum für das Telefonat vorhanden sind. Eine weitere Alternative ist der immer beliebter werdende Videochat über ein spezielles Internetforum der Firma oder über Programme wie zum Beispiel Skype. Dadurch ist ein erstes persönliches Kennenlernen, bei dem sich beide Parteien sehen, auch über die Distanz möglich. Es gilt zu beachten, dass der Raum, in dem sich der Bewerber dem Interview widmet, aufgeräumt ist und sich nach Möglichkeit keine abschreckende Deko im Hintergrund befindet, wie beispielsweise freizügige Urlaubsbilder oder Plakate nebst dem Flaschenchaos der letzten Feier in den eigenen vier Wänden. Der Fokus liegt auf dem Gespräch zwischen dem Bewerber und dem Personalbeauftragten. Wichtig sind zudem eine stabile Internetverbindung sowie eine funktionierende Kamera am PC.“

 

 

Mit diesen Tipps und Ratschlägen sollte das Bewerben im Ausland ein ganzes Stück leichter werden. Wichtig ist es jedoch immer, sich für jedes Land gesondert zu informieren. Die Anforderungen an Bewerber und Unterlagen variieren so beträchtlich, dass sich kaum allgemeingültige Aussagen treffen lassen.

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Arbeitszeugnisse haben im englischsprachigen Raum nicht die gleiche Relevanz wie es im D-A-CH – Bereich der Fall ist.
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