Das Viking Blog

Deutsche Startups vorgestellt: Gemüsegärtnern in der Stadt

Deutsche Startups vorgestellt: Gemüsegärtnern in der Stadt

Auf dem Viking-Blog stellen wir in regelmäßigen Abständen Startups vor, die mit kreativen Geschäftsideen und nachhaltigen Modellen beeindrucken. Heute geht es um die Ackerhelden, ein junges Unternehmen aus dem Ruhrgebiet, das Großstädter zu Gemüsegärtnern macht und dabei echt bio ist. Tobias Paulert, neben Birger Brock Gründer der Ackerhelden, hat uns mehr über das Startup erzählt.

 

Viking: Was ist die Idee hinter den Ackerhelden?

Tobias Paulert: „Wir möchten die Menschen wieder näher an das herführen, was sie täglich essen und einfach zeigen, wo das Essen herkommt und so der Entfremdung der Menschen von der Lebensmittelproduktion entgegenwirken. Unsere Liebe zur Natur, der achtsame Umgang mit Lebensmitteln und das Interesse am Ökolandbau führten schließlich zu der Ackerheldenidee, wobei wir nicht die Idee der Scholle vor der Stadt meinen, welche aus den 1980er Jahren und aus Österreich stammt. Wir haben mit Ackerhelden diese Idee aufgegriffen, biozertifiziert, mit intensiver Beratung ergänzt und lifestylig verpackt. Ahnung vom Gärtnern oder Ackern mitzubringen, ist bei uns nicht notwendig. Wir verhelfen auch Menschen ohne gärtnerische Vorerfahrung zu einem grünen Daumen und machen aus Ihnen strahlende Ackerhelden.“

 

ackerhelden2

Bildquelle: Unternehmen

 

Viking: Wann und wie sind die Ackerhelden schließlich entstanden?

Tobias Paulert: „Ende 2012 haben wir Ackerhelden gegründet. Seitdem bieten wir landesweit und streng nach den Richtlinien von Bioland, Biokreis, Demeter oder Naturland biozertifizierte Biogemüseäcker zum Mieten an. Unsere Parzellen sind 40qm groß und zum Saisonstart Mitte Mai mit bereits 20 Gemüsesorten vorbepflanzt. Im Lauf der Saison gibt es dann Biosaatgut und Biojungpflanzen für 10 weitere Gemüsesorten, um die abgeernteten Reihen aufzufüllen. Das ist ebenso inklusive wie Gießwasser, die Nutzung von Gießkannen und Ackergeräten sowie die Rund-um-sorglos-Beratung, damit das Gemüse auch etwas wird. Im Jahr 2013 sind wir an den Standorten Berlin, Bremerhaven und Mönchengladbach gestartet. 2014 kamen schließlich acht weitere Anlagen hinzu. 2015 folgten weitere und die bestehenden Äcker wurden vergrößert. In diesem Jahr sind knapp 2900 Ackerhelden aus 91 Städten auf 15 Anlagen aktiv und lernen so einiges über Selbstversorgung, Bio-Gemüse, Bio-Standards und nachhaltigen Konsum dazu sowie die Qualität und Transparenz ihrer Nahrungsmittel lieben. Für die kommende Saison stehen schon jetzt weitere Standorte fest.“

 

Viking: Welche Hindernisse hattet ihr bei der Gründung der Ackerhelden zu überwinden?

Tobias Paulert: „Natürlich galt es auch für uns die klassischen Startup und Existenzgründerhürden wie Finanzierung, rechtliche Themen, etc. zu nehmen. Zudem haben wir Ackerhelden aus einer bis dato sehr gut gelaufenen Karriere heraus ohne Bankkredite und mit unserem Ersparten gegründet. Anfangs haben schon einige in unserem Umfeld mit dem Kopf geschüttelt. Selbständig? Und dann noch mit Landwirtschaft? Das schien allen eine große Herausforderung. Gott sei Dank hat es funktioniert, auch wenn wir weiterhin auf der Hut sind und noch einige Aufgaben und Meilensteine vor uns liegen.“

 

ackerhelden5

 

Viking: Wo liegen eure Ziele für die Zukunft der Ackerhelden?

Tobias Paulert:  „Wir haben uns den höchsten Standard an Lebensmittelqualität, den es gibt, auf die Fahnen geschrieben. Unsere Flächen, unser Saatgut, unsere Jungpflanzen und auch wir als Unternehmen sind nach Anbauverbandsrichtlinien biozertifiziert. Das bringt viele Herausforderungen mit sich. Konventionell wäre es sicherlich leichter. Aber wir wollen unseren Ackerhelden ein reines Produkt liefern, ohne Chemie, ohne Pestizide und vor allem ohne synthetisch-chemischen Dünger, der in der konventionellen Landwirtschaft im Winter auf die Äcker kommt. Als Ackerheld ist man ja sowohl Konsument als auch Produzent. Auf der einen Seite isst man das herangezogene Gemüse. Da finden wir, sollte es auf jeden Fall Bio sein. Auf der anderen Seite ist man als Ackerheld aber auch mit den eigenen Händen im Boden aktiv. Da möchten wir nicht, dass unsere Ackerhelden in Schwermetallen und ähnlichem wühlen. In Zukunft möchten wir es noch mehr Menschen als bisher ermöglichen, strahlende Ackerhelden zu werden, ihnen den Ökolandbau zeigen und dabei helfen, ihr eigenes Bio-Gemüse großzuziehen.“

 

ackerhelden3

 

Viking: Urban Gardening ist gerade in Großstädten zu einem Trend geworden. Kam eure Idee genau zum richtigen Zeitpunkt?

 Tobias Paulert: „Das wissen wir nicht und können wir nicht genau sagen. Wir freuen uns einfach sehr, dass es bundesweit und darüber hinaus Menschen gibt, denen die Idee von Ackerhelden gefällt und die Vertrauen in die Lebensmittelqualität bei uns haben.“

Viking: Gemüse ist in vielen Supermärkten ziemlich günstig. Warum lohnt es sich eurer Meinung nach dennoch selbst zum Spaten und zur Gartenschere zu greifen?

Tobias Paulert: „Als Ackerheld isst man nicht nur sein gesundes, regionales und saisonales Bio-Gemüse, sondern man ist an der frischen Luft, in der Natur und in Bewegung. Dabei spielen wirklich viele präventive Aspekte eine Rolle, die zur aktiven Erholung beitragen und ein besseres Lebensgefühl schaffen. Manche Ackerhelden haben uns berichtet, dass sie nach dem Jäten auch schon mal bisher unbekannte Muskeln in der Hand gespürt haben, die erstmalig oder endlich mal wieder aktiv gekräftigt wurden. Zudem findet durch Ackerhelden häufig auch ein Umdenken im Konsumverhalten statt. Es wird deutlich bewusster konsumiert, öfter und frischer selbst gekocht und so abwechslungsreicher sowie saisonaler gegessen. Wer einmal den „Bio“-Lebensmittelstandart bei seinem Gemüse kennen gelernt hat, möchte den auch bei Molkereiprodukten, Backwaren und Fleisch so oft wie möglich haben. So erfolgt auch ein bewussterer und respektvollerer Umgang mit Lebensmitteln. Ackerhelden kann somit auch ein Auftakt zum nachhaltigeren Leben sein. Durchs Kennenlernen und nicht durch den belehrenden Zeigefinger.“

 

ackerhelden6

 

Ackerhelden wurde in Essen gegründet. Sehnen sich die Menschen im Ruhrgebiet besonders nach ländlicher Idylle und einem Stück Natur?

Tobias Paulert: „Ja, man sollte meinen, dass sich insbesondere die Menschen im Ruhrgebiet nach ländlicher Idylle sehnen. Aber man darf dabei nicht vergessen, dass sich hier zwischenzeitlich doch auch einiges verändert hat. Der Landschaftspark in Duisburg wurde zu den weltweit 10 schönsten Gärten gewählt. Unsere Heimat Essen ist nach Hannover und Magdeburg die drittgrünste Stadt Deutschlands und für 2017 die gewählte Grüne Hauptstadt Europas. Der Strukturwandel hat hier wirklich viel verändert und bewegt. Guerilla und Urban Gardening sowie Urban Farming sind hier auch sehr verbreitet. Zudem hat Selbstversorgung im Ruhrgebiet auch Tradition. Vor vielen Jahren, zu Zechen Zeiten, hatten nicht nur die Bergmannhäuser ihren eigenen kleinen Selbstversorgergarten hinter dem Haus. Mit Ackerhelden knüpfen wir an diese Tradition an und unterstützen Menschen bei der Selbstversorgung. Ackerhelden gibt es mittlerweile zwischen Bremerhaven, Freiburg, Berlin und Mönchengladbach an einigen Standorten. Mal urbaner, mal ländlicher. Sicherlich kann die ländliche Idylle eines Ackers eine Rolle spielen. Wir glauben aber eher, dass die Menschen immer genauer wissen wollen, was sie essen, wie es gewachsen ist und wo es herkommt.“

 

ackerhelden4

Sie möchten mehr über die Ackerhelden erfahren und vielleicht selbst zum Spaten greifen? Hier geht es zur Webseite.

Schlagwörter:
Anfangs haben schon einige in unserem Umfeld mit dem Kopf geschüttelt. Selbständig? Und dann noch mit Landwirtschaft?
Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestGoogle+Share on LinkedIn

Comments are closed.