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Die Lehren der Meister: „Mister Gummibärchen“

Die Lehren der Meister: „Mister Gummibärchen“

„Riegel ist über 80, sieht aus wie 60, arbeitet wie ein 40-jähriger und benimmt sich wie ein 20-jähriger.“

Mit diesen Worten beschrieb Werbeträger Thomas Gottschalk einst den erfolgreichen Unternehmer Hans Riegel. Im vergangenen Jahr starb Riegel im Alter von 90 Jahren. Zu Lebzeiten hatte er aus dem kleinen Familienbetrieb seines Vaters einen der größten und bekanntesten Süßwarenkonzerne Europas geschaffen: Haribo. Sein Erfolg beruht nicht zuletzt auf vier Leitlinien des Unternehmers:

1. Spaß an der Arbeit

Bis ins hohe Alter ließ Riegel es sich nicht nehmen, wichtige Entscheidungen in seinem Unternehmen selbst zu treffen. Das galt auch für den Zeitpunkt seines Ruhestands „Ich mache meine Arbeit, weil sie mir Freude bereitet“, sagte er noch im Alter von 87 Jahren. „Und ich habe keinen Grund mir diese Freude zu nehmen.“ Aus Frust darüber warf sein Neffe und potenzieller Nachfolger Hans-Jürgen Riegel das Handtuch, als er selbst bereits die 50 überschritten hatte. Einzig die Dr. Hans Riegel-Stiftung sorgte nach Riegels Tod dafür, dass das Unternehmen in der Familie verblieb.

2. Unabhängigkeit

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor war Riegels Entscheidung, sich nicht von Kreditgebern abhängig zu machen. Bereits Anfang der 1950er Jahre hatten es sich die Banken mit ihm verscherzt: Haribo geriet mit der Tilgung eines Kredites bei der Sparkasse Bonn um einige Tage in Verzug, weil ein Kunde eine große Rechnung nicht bezahlt hatte. Prompt wurden die für die Produktion überaus wichtigen Zuckersäcke gepfändet. Aus dieser Erfahrung heraus sorgte Riegel dafür, dass Haribo ausschließlich mit den selbst verdienten Erlösen aus dem Cash Flow wuchs.

3. Geheimniskrämerei

Hans Riegel war ein leidenschaftlicher Unternehmer und ein Chef alter Schule – allein der Erfolg seines Betriebes zählte. Von modernen Management-Methoden hielt er wenig. Während viele Unternehmen Datenverarbeitung, Werbung, Druckerei und Kantine auslagern, regelte Riegel grundsätzlich alles intern. Somit konnte er stets alle Zahlen und Fakten geheim halten: Über das Gummibärchenrezept schwieg er sich ebenso aus wie über Produktionsmenge, Umsatz oder Gewinn.

4. Aufmerksamkeit

Seit der Übernahme des väterlichen Betriebs im Jahr 1946 – Riegel war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 23 Jahre jung – konnte er sich immer auf sein gutes Gespür für Trends verlassen. Aufmerksam beobachtete er das Zeitgeschehen, so entging ihm schon damals keine Veränderung der Lebenseinstellung: „Früher lutschte man vornehm ein Bonbon, heute kaut man rum“, so Riegel. Die Konsequenz: Der von seinem Vater entwickelte „Tanzbär“ wurde runder und vor allem weicher gemacht – der „Goldbär“ war geboren. Für Hans Riegel sollte dies die bedeutendste unternehmerische Entscheidung seines Lebens werden. Die Verbindung zur Zielgruppe hielt er über Kinderserien, Jugendmagazine und Comics, die ihn zu neuen Produktideen inspirierten. Auch suchte er zeitlebens regelmäßig den Kontakt zu jungen Menschen – insbesondere zu seinen Auszubildenden.

Nicht immer war alles goldig

Es ist gerade diese Aufgeschlossenheit neuen Dingen gegenüber sowie der hohe Qualitätsanspruch, die den jahrelangen Erfolg von Haribo garantierten. Neben dem großen Erfolg erlebte Riegel aber auch Rückschläge. Großen Ärger löste er beispielsweise aus, indem er die Heilige Familie in Fruchtgummi gießen ließ. Die Bischofskonferenz lief Sturm. Er selbst verstand als gläubiger Katholik die Aufregung darüber nicht, stellte aber dennoch missmutig die Produktion wieder ein. 

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