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Deutsche Start-ups vorgestellt: nachhaltige, faire und stylische Arbeitskleidung

Deutsche Start-ups vorgestellt: nachhaltige, faire und stylische Arbeitskleidung

Für unsere Serie, in der wir Ihnen interessante deutsche Start-ups vorstellen, haben wir in der Vergangenheit mit der Gründerin von MyOma gesprochen. Diesen Monat haben wir ein Interview mit Stefan Rennicke einem der drei Gründer von KAYA & KATO, einem innovativen Label für nachhaltige, faire und außerdem stylische Arbeitskleidung geführt.

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Viking: Wie würden Sie Ihre Karriere in drei Sätzen beschreiben?

Stefan Rennicke: Da reichen drei Worte: turbulent, international, abwechslungsreich. Turbulent, weil es immer wieder starke Brüche in meiner Biographie gab. International, weil ich das Glück hatte, auf all meinen beruflichen Stationen mehr oder weniger intensiv international arbeiten zu können. Abwechslungsreich, weil die Bandbreite meiner beruflichen Tätigkeit vom öffentlichen Dienst über Großkonzern und Nichtregierungsorganisation bis zum eigenen Start-up reicht.

Viking: Wie ist die Idee KAYA&KATO zu gründen entstanden?

Stefan Rennicke: Ich war zehn Jahre in der internationalen politischen Zusammenarbeit tätig. Einer meiner Arbeitsbereiche war die Arbeit mit afrikanischen Ländern. Ich habe unzählige Entwicklungsprojekte gesehen und bin fest davon überzeugt, dass man als Unternehmer mit einer verantwortungsvollen Unternehmensführung sehr viel erreichen kann. Während meiner Tätigkeit kam ich auch immer wieder mit Baumwollprojekten in Kontakt. Da lag es nah, dass man sich den Textilmarkt anschaut und schnell feststellen wird, dass der Bereich der Arbeitsbekleidung extrem preisgetrieben ist und andere Aspekte kaum eine Rolle spielen. Da haben wir angesetzt: Für uns spielen Aspekte wie Anbau der Rohstoffe, Verarbeitung, Arbeitsbedingungen eine zentrale Rolle in unserer Wertschöpfung. Unsere Preise sind dennoch wettbewerbsfähig.

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Da ein erheblicher Anteil der bei uns verarbeiteten Baumwolle aus Entwicklungsländern kommt, wo diese Themen heikel sind, sollte man schon Kenntnisse der Länder mitbringen. Es gibt wohl kaum ein deutsches Unternehmen in dieser Branche, das über so viel entwicklungspolitisches Know-how verfügt wie wir. Aber auch willens ist, dazuzulernen. Ich war Anfang des Jahres in Kirgisistan, um dort mit der Bauernkooperative zu sprechen, die die Biobaumwolle für unsere Produkte anbaut. Ende des Jahres geht es nach Uganda. In den Konfektionen sind wir mehrmals im Jahr, und diese sind alle in Europa. Wir haben uns zum jetzigen Zeitpunkt ganz bewusst dazu entschlossen, nicht in Asien nähen zu lassen, auch wenn dadurch unsere Marge geringer wird. Wir waren vor Ort, haben Gespräche mit Nichtregierungsorganisationen geführt und halten die Verhältnisse für zu undurchsichtig und schwer zu kontrollieren.

Viking: Welche Hindernisse gab es dabei zu überwinden?

Stefan Rennicke: Es musste eine komplette Produktionskette aufgebaut werden. Das war eine echte Herausforderung, an der wir immer noch feilen und wahrscheinlich immer weiter feilen werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Produzenten wollten wir genau wissen, wer was unter welchen Umständen produziert. Es ging also nicht darum, schnell eine Produktlinie auf den Markt zu bringen, die in asiatischen Billiglohnländern unter zweifelhaften Bedingungen hergestellt wird.

Viking: Was war der bisher größte Erfolg Ihrer Karriere?

Stefan Rennicke: Ich glaube, dass sich „Karrieren“ immer aus vielen kleinen Erfolgen zusammensetzen und später ein Ganzes ergeben. Somit sollte man später schauen, ob die „Karriere“ ein Erfolg war. Das wichtige ist, dass die „Karriere“ einen erfüllt. Das ist der größte Erfolg.

Viking: Was ist Ihr Lieblingsbüroartikel, auf den Sie nicht mehr verzichten können?

Stefan Rennicke: Es hört sich verrückt an und ist in Zeiten der Digitalisierung kaum zu glauben, aber ich mag Stempel. Wenn etwas gestempelt ist, ist es abgeschlossen. Vielleicht liegt es daran.

Viking: Wer ist Ihr Business-Vorbild und warum?

Stefan Rennicke: Yvon Choinard. Kein Unternehmer fasziniert mich so sehr, wie der Gründer des Outdoor-Bekleidungsherstellers Patagonia. Er vertritt eine Art von Unternehmensführung, die konsequent auf die Auswirkungen ihres Handelns ausgerichtet ist und versucht, dieses positiv zu gestalten, ohne dabei den unternehmerischen Erfolg zu vergessen. Ich würde ihn liebend gerne mal persönlich treffen. Wir brauchen viel mehr Unternehmer dieser Art, denn jedes unternehmerische Handeln hat irgendwo eine Auswirkung. Wenn man versucht, diese Auswirkungen positiv zu gestalten, so dass jeder an der unternehmerischen Wertschöpfung verdient, ist viel geholfen. Es gibt schon genug Unternehmer und Manager, die ihre ethischen Vorstellungen am Firmentor oder den Landesgrenzen abgeben, die nur von Boni und Gehältern getrieben sind.

Wenn ich ein deutsches Unternehmen nennen sollte, ist es dm drogerie-markt, mit dem ich lange zusammengearbeitet habe. Es ist ein Unternehmen, das es immer wieder versteht, seine wirtschaftliche Stärke zu nutzen, um wichtige gesellschaftliche Impulse zu setzen, wie z.B. für Nachhaltigkeit oder auch ehrenamtliches Engagement.

Viking: Wie schalten Sie nach einem Arbeitstag ab?

Stefan Rennicke: Das fällt mir extrem schwer. Am besten beim Sport.

kaya+ kato Stefan Rennicke

Viking: Welchen Ratschlag würden Sie jemanden geben, der sich mit einer Idee selbstständig machen möchte?

Stefan Rennicke: Zunächst mal sollte er trotz allem Enthusiasmus und Begeisterung für die eigene Idee gut planen und sich darüber im Klaren sein, dass Selbstständigkeit ein harter und steiniger Weg ist. Man darf sich nicht entmutigen lassen und sollte Ausdauer haben.

Viking: Welche Zukunftspläne gibt es für KAYA&KATO?

Stefan Rennicke: Wir wollen unser Produktportfolio und unsere Marktpräsenz als hochwertiger, innovativer aber auch sehr stylischer Anbieter von Arbeitskleidung in Deutschland ausbauen und mittelfristig auch international werden.

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Sind auch Sie Teil der innovativen deutschen Gründerszene? Oder können Sie ohne Stempel auch nicht mehr leben? Berichten Sie uns bei Facebook oder auf Twitter von Ihren Erfahrungen. Kontaktieren Sie uns gern über unsere Social Media Kanäle wenn Sie der nächste Interviewpartner für unsere Vorstellungsreihe sein möchten.

k+k_131 Für uns spielen Aspekte wie Anbau der Rohstoffe, Verarbeitung, Arbeitsbedingungen eine zentrale Rolle in unserer Wertschöpfung.
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