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Schöne neue Arbeitswelt? Von Coworking-Spaces und digitalen Nomaden

Schöne neue Arbeitswelt? Von Coworking-Spaces und digitalen Nomaden

 

Überall kann man davon lesen, dass die sogenannte Generation-Y die Arbeitswelt verändert und statt Dienstwagen, Karriereleiter und dickem Gehalt vor allem eines im Kopf hat: Selbstverwirklichung. Der Job soll nicht einfach nur Geld und Erfolg bringen. Er soll am besten die Welt verändern (zumindest ein kleines bisschen), Spaß machen und maximale Flexibilität bieten. Auch wenn dieses Bild der Generation der mittlerweile zwischen 20 und 35-Jährigen sicher um einiges überzeichnet ist und nicht immer der Realität entspricht, wie etwa ein Artikel in der Zeit verdeutlicht, so gibt es doch immer mehr Menschen, die abseits von klassischen Nine-to-Five-Jobs (oder vielleicht passender Nine-to-Nine-Jobs plus Überstunden) ihr Glück und ihren Lebensunterhalt suchen. Wie diese Alternativen aussehen können stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

 

Quelle: https://www.flickr.com/photos/smarch/ via Creative Commons

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Coworking-Spaces: selbständig und doch gemeinsam

Freelancer kennen es: die Enge der eigenen Wohnung, das Prokrastinieren zwischen Schreibtisch und eigenem Bett und der Wunsch mal mit einem Kollegen über den Text, den man gerade verfasst hat, reden zu können. So viele Vorteile selbständiges Arbeiten und das sogenannte Homeoffice auch mit sich bringen mögen, so sehr sie für mehr Flexibilität und Selbstbestimmung stehen können, so sehr führen sie doch auch zu einem gewissen Maß an Einsamkeit. Der Austausch mit Gleichgesinnten fehlt etlichen Selbständigen ebenso sehr wie die oftmals doch recht bequeme Infrastruktur eines Büros. Kein Wunder also, dass sogenannte Coworking-Spaces, von geteilten Büros bis hin zu geteilten Schreibtischen für Freelancer, wie Pilze aus dem Boden sprießen. In Berlin, der Hauptstadt der Selbständigen, die irgendwas mit Medien machen, sind in den letzten Jahren mehr als 50 Coworking-Projekte unterschiedlichster Art entstanden. In Hamburg, München und anderen deutschen Großstädten ist die Lage ähnlich.

Quelle: https://www.flickr.com/photos/sloveniacoworking/

Quelle: https://www.flickr.com/photos/sloveniacoworking/ via Creative Commons

 

Auch wenn sich mittlerweile unterschiedlichste Coworking-Konzepte herausgebildet haben: allen gemeinsam ist, dass sie Selbständige, Freelancer, Heimarbeiter und zum Teil auch Promovierende zusammenbringen und diesen tages-, wochen- oder monatsweise einen festen Arbeitsplatz in einem geteilten Bürogebäude zur Verfügung stellen. Ein recht bekanntes Coworking-Projekt stellt etwa das betahaus dar, welches Freelancer mittlerweile in Hamburg, Berlin, Barcelona und Sofia nicht nur mit einem Schreibtisch sondern auch einer eng vernetzten Community und sogar Konferenzen und Workshops anlockt. Der klassische Freelancer, der stets in seiner Wohnung zwischen Bett, Küche und Schreibtisch arbeitet und dabei maximal seine Katze als Gesellschaft hat, scheint mittlerweile fast vom Aussterben bedroht zu sein.

 

Das Café als Büro

Natürlich kostet aber auch ein Coworking-Space Geld, welches gerade junge Selbständige oftmals nur schwer aufbringen können. Viele von ihnen starten daher ihren Weg in die Selbständigkeit, indem sie Cafés mit Wlan und günstigem Kaffee zu ihrem temporären Arbeitsplatz machen. Berühmt als Treffpunkt der digitalen Boheme wurde etwa das Café Sankt Oberholz in Berlin-Mitte, in dem nicht nur etliche Tassen Chai Latte und Ingwertee von an Mac Books arbeitenden Freelancern getrunken werden, sondern auch schon so manches erfolgreiche Startup gegründet wurde. Mittlerweile ist das Berliner Sankt Oberholz natürlich nicht mehr das einzige seiner Art. In nahezu allen europäischen Großstädten findet man sie: die arbeitende Cafékundschaft, welche stundenlang an demselben Getränk nippen kann, während sie Texte für Webseiten, Business-Pläne oder Social-Media Auftritte erstellt. Und wer einmal den Unterhaltungen in einem der vielen Cafés lauscht, die von jungen Menschen als Arbeitsplatz genutzt werden, der merkt schnell: Internationalität ist hier Trumpf.

 

Quelle: https://www.flickr.com/photos/97823494@N07/

Quelle: https://www.flickr.com/photos/97823494@N07/ via Creative Commons

 

Arbeiten in Barcelona, Tokyo, Sidney

Das Stichwort lautet: Digitale Nomaden. Darunter versteht man all diejenigen, die zum Arbeiten nichts weiter als einen Laptop, Wlan und Skype benötigen – und das auch maximal nutzen, indem sie arbeiten um zu reisen und reisen um zu arbeiten. Der Bestseller Journeyman von Fabian Sixtus Körner, in welchem der Innenarchitekturabsolvent seine Abenteuer in über sechzig Orten beschreibt, die er bereiste während er sich zwei Jahre lang unter anderem als Grafiker und Fotograf verdingte, ist die Sehnsuchtsliteratur junger Freelancer. Sie träumen davon nicht nur überall auf der Welt zuhause sein zu können, sondern dabei auch noch ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Etliche sind erfolgreich damit, arbeiten als Reiseblogger, Social-Media-Redakteure und im Online-Marketing. Mit ihren Kunden kommunizieren sie via E-Mail oder Skype. Den festen Wohnsitz tauschen sie gegen einen stabilen Rucksack und Flugtickets. Ihr Büro besteht aus Mac und Smartphone, seine Adresse sind die Wlan-Cafés dieser Welt. Mittlerweile veranstalten digitale Nomaden ihre eigene Konferenz DNX in Berlin, auf welcher Erfahrungen ausgetauscht werden und Neulingen des Nomadenlebens erste Hilfe geboten wird.

https://www.flickr.com/photos/drewinnes/

Quelle: https://www.flickr.com/photos/drewinnes/ via Creative Commons

 

Natürlich ist dieses Leben ohne feste Adresse, ohne Familie und Freunde in der Nähe, ohne eigenes Bett und eigenen Drucker nur für die allerwenigsten dauerhaft umsetzbar oder erstrebenswert. Spätestens mit schulpflichtigen Kindern geraten auch erfahrene digitale Nomaden an ihre Grenzen. Unmöglich ist aber auch diese Kombination nicht, wie Erfahrungsberichte auf wirelesslife.de zeigen. Und auch wenn die meisten Menschen heute noch in festen Büros mit festen Arbeitszeiten oder zumindest Kernarbeitszeiten tätig sein mögen: Coworking-Spaces, digitale Nomaden und Co. geben einen Vorgeschmack darauf, wie die Arbeitswelt der Zukunft aussehen kann und vor allem, wie wir sie selbst gestalten können.

 

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So sehr selbständiges Arbeiten und das sogenannte Homeoffice für mehr Flexibilität und Selbstbestimmung stehen können, so sehr führen sie doch auch zu einem gewissen Maß an Einsamkeit.
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