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Wenn Fußballtrainer im Büro arbeiten würden…

Wenn Fußballtrainer im Büro arbeiten würden…

Bald ist es wieder soweit – das Fußballfieber steigt und mit dem Beginn der nächsten WM ist das Thema Fußball in deutschen Büros nicht mehr wegzudenken. Die pure Spannung beim Elfmeterschießen sorgt immer für reichlich Gesprächsstoff in der Kaffeepause. In manchen Büros ist das Mitverfolgen der Spiele in der Kantine auch erlaubt, in welchem Fall man den lauten Jubel auch vom Schreibtisch hören kann, ja bei so einer WM ist ganz schön viel Leidenschaft dabei.

Immer wieder sorgen nicht nur die Spieler, sondern auch die Fußballtrainer für unvergessliche Momente, leider sind diese nicht immer positiv. Das Verhalten einiger Trainer reicht von amüsant bis hin zu zornig und sorgt für reichlich Schlagzeilen. Beispiele von Jogi Löws Hosengriff oder sogar Handgreiflichkeiten sind in den Medien leicht zu finden.

Wir haben uns vorgestellt wie es wohl wäre, wenn Fußballtrainer sich auf diese Art und Weise im Büro verhalten würden und wollten wissen, welche Konsequenzen dieses Verhalten haben würde. Dazu haben wir mit einem HR-Experten gesprochen. Eins wird bei dieser langen Liste der Missetaten klar: Einige der Trainer hätten eine dicke Akte mit Beschwerdebriefen im Schrank liegen. Wir durften uns mit ein paar Fragen an Personal-Experten Stefan Scheller wenden. Auf seinem Portal PERSOBLOGGER.de berichtet er über die Themen Personalmarketing, Recruiting, und Employer Branding.

Wir haben uns gefragt, was sich ManagerInnen eigentlich leisten können. Bei welchen Handlungen, die bei Trainern gewöhnlich erscheinen, sollte eine Führungsperson den Schlussstrich ziehen? Scheller sieht klare Grenzen: „Hier muss unterschieden werden zwischen rechtlich unerlaubten Handlungen und schlechtem Führungsstil. Rahmenbedingungen für erstere finden sich in Gesetzen wie dem Strafgesetzbuch oder auch betrieblichen sowie sonstigen verbindlichen juristischen Regelwerken. In wie weit das von Ihnen beschriebene nicht juristisch relevante Verhalten ansonsten geduldet wird, hängt sicher auch von der Unternehmenskultur ab. Ich gehe aber davon aus, dass bei Bekanntwerden solcher Tatsachen, die wenigsten Unternehmen großes Verständnis für die pöbelnde Führungskraft aufbringen werden. Führung bedeutet ja Verantwortung für Menschen zu übernehmen. Wer hierzu, aus welchem Grund auch immer, nicht oder nicht mehr in der Lage ist, sollte seine Position besser abgeben.

Unser internationales Team hat sich mit Illustrator Emanuel Wiemans zusammengetan, um Beispiele von Trainer-Strafen bildlich darzustellen, jedoch in einem anderen Arbeitsumfeld, welches uns etwas näherkommt.

Norbert Meier Schwalbe

Norbert Meier wird nach einem Kopfstoß gegen einen Spieler entlassen. © Viking

Kopfstöße sind nur mit Fußbällen akzeptabel. Das musste der damalige Trainer des MSV Duisburg Norbert Meier 2005 am eigenen Kragen erfahren, als er wegen eines Kopfstoßes gegen Kölner Profi Albert Streit, entlassen wurde. Als Strafe wurde er vom Deutschen Fußball-Bund für drei Monate gesperrt und musste dazu eine Geldbuße in einer Höhe von 12.500 € zahlen. Auch der ehemalige  Trainer des Alemannia Aachen, Eugen Hach, erhielt 2000 eine dreimonatige Sperre und eine 7.500 Mark Geldstrafe, nachdem er einen seiner Spieler würgte.

Könnte dies während eines Meetings im Büro passieren? Daran glaubt HR-Blogger Scheller nicht: „Im westlichen Business-Umfeld gelten echte Handgreiflichkeiten zum Glück eher als die absolute Ausnahme. Die meisten Arbeitgeber hätten wahrscheinlich im Anschluss große Bedenken hinsichtlich der Führungstauglichkeit handgreiflicher Manager. Mit allen Konsequenzen, von der Abmahnung bis hin zur Kündigung.“

José Mourinho

José Mourinho sticht Tito Vilanova während eines Spiels ins Auge. © Viking

Leistungsdruck und Leidenschaft sind eine explosive Kombination. Das bewiesen José Mourinho und Tito Vilanova 2011 in einem Spiel zwischen Erzrivalen FC Barcelona und Real Madrid. Mourinho, der damals Trainer bei Real war, hatte sich nicht unter Kontrolle, und stach Vilanova, zu der Zeit Assistenzcoach bei Barça, mit dem Finger ins Auge. Konflikt kann man sicherlich besser meistern. Scheller rät jedem in einer schwierigen Situation erst einmal das Gespräch mit der betroffenen Person zu suchen und „dann zu entscheiden, ob eine Eskalation des Themas in eine höhere Hierarchie-Ebene dem Thema hilft. Wenn das Thema gravierend und dauerhaft ist und die ersten Möglichkeiten nicht geholfen haben, kann auch das Suchen eines anderen Jobs die Lösung bringen.“

Frank Rijkaard

Durch ein Gegentor aufgebracht, zerschmettert Frank Rijkaard eine Plexiglasscheibe. © Viking

In Deutschland wird Frank Rijkaard vielen noch von der WM 1990 im Gedächtnis geblieben sein, als er als niederländischer Nationalspieler dem deutschen Stürmer Rudi Völler in den Vokuhila spuckte. Obwohl er sich Jahre später in einem offenen Brief bei Völler für die Spuck-Attacke entschuldigte, blieb dieser Vorfall leider nicht der einzige, in den Rijkaard verwickelt war. Seine zornige Reaktion auf ein gegnerisches Tor in einem Spiel zwischen FC Barcelona und Espanyol 2007 zeigte, wie schwer es auch als Trainer sein kann in Frustsituationen ruhig zu bleiben – mit einem Fausthieb zerschmettere Rijkaard die Plexiglasscheibe neben der Trainerbank.

Louis van Gaal

Louis van Gaal erteilt Geldstrafen an Spieler, weil sie zu spät zum Mittagessen erscheinen. © Viking

Etwas zu spät kommen, das kann auch den besten Mitarbeitern mal passieren. Doch nicht bei Louis van Gaal, ehemaliger niederländischer Nationalspieler und später Trainer bei Manchester United. Bekannt für seine strengen, unflexiblen Trainingsmethoden, nahm er  Pünktlichkeit sehr ernst und erteilte Geldstrafen an Spieler, die z.B. nach dem Training eine Minute zu spät zum Mittagessen in der Stadionkantine erschienen. Doch nicht nur fürs Zuspätkommen teilte der Niederländer Strafen aus: Spieler mussten außerdem Bußen für schlimme Fouls und rote Karten zahlen. Laut der britischen Presse ärgerten sich die Spieler über van Gaals drakonische Methoden. Sie waren unzufrieden und fühlten sich in ihrer Leistung gebremst, deshalb wurde Van Gaal von Manchester United 2016 aus seiner Trainerrolle entlassen.

Guus Hiddink

Guus Hiddink macht sich der Steuerhinterziehung schuldig. © Viking

Guus Hiddinks Fehlverhalten war auf den ersten Blick nicht so offensichtlich wie bei den anderen Trainern, da es keinen direkten Bezug zu seiner Rolle als Fußballtrainer hatte. Dennoch übernimmt der Trainer eines Fußballteams gegenüber seinen Spielern – genau wie der Manager eines Unternehmens seinen Angestellten – eine Vorbildsrolle. Leider nahm Hiddinks diese Rolle nicht so ernst. Der Niederländer, der zuletzt als Interimtrainer für den FC Chelsea tätig war, wurde 2007 der Steuerhinterziehung für schuldig erklärt und im Zuge dessen zu einer sechsmonatigen Bewährungstrafe verurteilt. Zudem musste Hiddink eine 45.000 € hohe Geldstrafe zahlen.

David Le Frapper

David Le Frapper äußert sich sexistisch über eine Schiedsrichterin nach einem Spiel. © Viking

„Eine Frau, die in einer Männerdomäne Entscheidungen trifft, was soll man dazu sagen?“, zu diesem (frei erfundenen) diskriminierendem Kommentar gibt es äußerst viel zu sagen. Das musste auch David Le Frapper, Trainer bei Olypmique Marseille B, erfahren, als er sich auf eine ähnliche Weise über die Entscheidung einer Schiedsrichterin in einer Pressekonferenz äußerte. Nach einem öffentlichen Aufschrei kam die Entschuldigung des Fußballtrainers. Wie würde dieselbe Situation in einem Büro aussehen? Könnte sich ein normaler Manager nach einem sexistischen Kommentar über eine Angestellte einfach entschuldigen und weitermachen wie bisher?  Das Gesetz besagt, dass „jedes vorsätzliche, sexuell bestimmte Verhalten, das die Würde von Beschäftigten am Arbeitsplatz verletzt“, verboten ist. Auch Kommentare wie der von Le Frapper könnten als Verletzung dieser Würde aufgefasst werden und könnten in extremen Fällen zur Kündigung führen.

Carlo Mazzone

Carlo Mazzone wurde wegen einer Schimpftirade an die gegnerischen Fans gesperrt. © Viking

Ehemaliger italienischer Nationalspieler und Brescia-Coach Carlo Mazzone wurde wegen einer Schimpftirade, die an die gegnerischen Fans gerichtet war, für fünf Spiele gesperrt. Der heute 81-Jährige hatte Fans in einem Derbyspiel gegen Atalanta Bergamo beleidigt und später in einem Interview als rassistisch bezeichnet. Der gebürtige Römer soll zuvor von den Bergamo-Fans verhöhnt und dadurch provoziert worden sein. Ein Disziplinargericht in Bergamo verurteilte Mazzone zu einer Sperre und einer Geldstrafe. Aber auch Atalanta Bergamo kam nicht ungeschoren davon. Das Disziplinargericht verdonnerte den Klub ebenfalls zu einer Geldstrafe für die Sprechchöre seiner Fans.

Delio Rossi

Delio Rossi verprügelt einen seiner eigenen Spieler. © Viking

Zusätzlich zu den körperlichen Übergriffen, von denen wir bisher berichtet haben, kommt eine bizarre Prügelattacke von Delio Rossi. Der Italiener, der zu dieser Zeit Coach bei Florenz war, schlug auf einen der eigenen Spieler, ein junger Serbe namens Adem Ljajic, ein. Der Stürmer hatte sich über seine frühe Auswechslung bei einem Spiel gegen Novara 2012 beschwert und Rossi beschimpft. Obwohl beide sich gegenseitig beim anderen nach dem Spiel entschuldigten, hatte der Vorfall für Spieler und Trainer gravierende Folgen. Rossi wurde noch am gleichen Abend entlassen und Ljajic suspendiert und vom Kader gestrichen.

Jede Fußballsaison häufen sich Beispiele groben Fehlverhaltens an Zum Abschluss wollten wir daher von unserem HR-Experten erfahren wie einfach oder schwierig es wäre für eine Führungskraft nach Kündigung weiterhin sein/ihr Unwesen zu treiben. „Möglich ist vieles. Zumal Arbeitszeugnisse ja schon von Gesetzes wegen immer wohlwollend positiv formuliert sein müssen. Im neuen Unternehmen den Kündigungsgründen auf den Grund zu gehen, dürfte sehr schwierig sein, wenn darüber nicht gerade in den Medien berichtet wurde. Von sich aus wird der Manager im Bewerbungsgespräch kaum darauf zu sprechen kommen und das Arbeitszeugnis dürfte im Normalfall auch nichts hergeben. Denn wenn die Verfehlungen zu deutlich im Zeugnis codiert wären, würde der Manager sicher vorher dagegen klagen wegen mangelndem Wohlwollen.“

Fazit ist, dass Fußballtrainer im Vergleich mit normalen Vorgesetzten in deutschen Büros in den meisten Fällen glimpflich davonkommen. Würde man ihr Verhalten in die Arbeitswelt eines normalen Angestellten übertragen, wäre die Mehrzahl mit einer sofortigen Kündigung bestraft worden.

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José Mourinho Die meisten Arbeitgeber hätten wahrscheinlich im Anschluss große Bedenken hinsichtlich der Führungstauglichkeit handgreiflicher Manager. Mit allen Konsequenzen, von der Abmahnung bis zur Kündigung.
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