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Unterbezahlt und diskriminiert – wie deutsche Frauen sich wirklich fühlen

Unterbezahlt und diskriminiert – wie deutsche Frauen sich wirklich fühlen

Wussten Sie schon, dass am 18. März 2018 der nächste Equal Pay Day in Deutschland sein wird? Dieses Datum kennzeichnet den symbolischen Tag im Jahr, bis zu dem Frauen quasi kostenlos arbeiten während ihre männlichen Kollegen vom 1. Januar an bezahlt werden.

Durch das Hashtag #metoo ist die Debatte über Sexismus und die generelle Ungleichbehandlung von Männern und Frauen derzeit in aller Munde. Die aktuelle Viking-Studie trifft genau den aktuellen Nerv. Wir wollten wissen wo sich Frauen in der Arbeitswelt sehen, ob sie sich im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen anders oder gar ungerecht behandelt fühlen. Mit Hilfe des Meinungsforschungsinstituts OnePoll hat Viking eine eigene Studie mit dem Schwerpunkt auf selbst erlebte Geschlechterdiskriminierung durchgeführt. Dazu wurden im Oktober 2017 in ganz Deutschland 1.000 berufstätige Frauen im Mindestalter von 18 Jahren befragt, die einer Bürotätigkeit im weitesten Sinne nachgehen. Gepaart mit aktuellen europäischen Statistiken haben wir recherchiert, wo sich die deutschen Arbeitnehmerinnen in Europa in Bezug auf verschieden wichtige Themen rund um den Job befinden und welche Länder die besten bzw. die schlechtesten Konditionen für berufstätige Frauen haben. Außerdem haben wir zwei Expertinnen um Hintergrundinformationen gebeten.

Die Mehrheit der an der Viking-Umfrage teilnehmenden Frauen (75,1 Prozent) gaben an, dass sie am Arbeitsplatz bereits das Gefühl hatten unterbezahlt zu sein. Die Lohnlücke in Deutschland, auch als Gender Pay Gap bekannt, wurde vom Statistischen Bundesamt mit ganzen 21 Prozent für das Jahr 2016 berechnet. Wir haben eine Heatmap für den Verdienstunterschied in Europa erstellt.

a_Lohnabstand in Europa Heatmap

In unserer Umfrage gab jede fünfte Befragte an, dass sie vermutet, dass das geschlechtsspezifische Lohngefälle niemals verschwinden wird. Immerhin gaben 40% der Frauen an, dass sie davon ausgehen, dass sich die Lohnlücke innerhalb von 11 bis 50 Jahren schließen wird. Dass es jedoch ganze 217 Jahre, also bis zum Jahr 2234 dauern wird bis das Gender Pay Gap geschlossen wird, wie vom World Economic Forum aus Genf kürzlich berechnet wurde, ist dann doch überraschend.

„Woran liegt es, dass Frauen für eine vergleichbare Tätigkeit im Schnitt ganze 21% weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen“, fragten wir Dr. Katharina Wrohlich die zum Thema Gender Pay Gap am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung forscht. „Eine wichtige Ursache sind die familienbedingten Erwerbsunterbrechungen, die fast nur Frauen betreffen. Auch lange Zeiten von Teilzeit-Erwerbstätigkeit haben negative Auswirkungen auf die Stundenlöhne“, erzählt sie uns. „Beides, Erwerbsunterbrechungen und Teilzeittätigkeiten verringern zudem die Chancen von Frauen, Führungspositionen zu erlangen – auch dies ist eine Ursache für den Gender Pay Gap.“

c_begrenzte berufliche Entwicklung

Dass das klassische Modell des Mannes als Familienernährer immer noch nicht ausgedient hat, bestätigt leider auch unsere Umfrage. 42,4 Prozent der befragten Frauen sagten, dass die größte Herausforderung im Beruf gegenüber ihren männlichen Kollegen der geringere Verdienst sein. Dicht gefolgt von 37 Prozent die angaben, dass die größte Hürde die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei und 24,4 Prozent berichteten, dass sie das Gefühl haben im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen nur begrenzte Möglichkeiten zur beruflichen Entwicklung haben.

Mehr als die Hälfte der befragten Frauen (56,4 Prozent) empfinden, dass Kinder einen negativen Einfluss auf die Karriere haben. Dreiviertel der befragten Frauen, die Kinder haben (74,42 Prozent) sagten, dass sie die Umstände ihrer Arbeit ändern mussten seit sie Mutter geworden sind und 68 Prozent der Mamas wechselten nach dem Wiedereinstieg in den Beruf in die Teilzeit.

Sexismus im Berufsleben beginnt oftmals bereits im Vorstellungsgespräch. Mehr als der Hälfte aller Frauen (52,6 Prozent) wurden während eines solchen Gespräches bereits eine oder mehrere „unzulässige Fragen“ gestellt. Jeder dritten Frau in der Altersgruppe 24 bis 35 Jahre wurde im Bewerbungsgespräch die Frage nach der Familienplanung gestellt. Am Arbeitsplatz haben bereits 38 Prozent der Frauen, die an unserer Umfrage teilgenommen haben an, Sexismus erlebt.

d_Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Ab Januar 2018 können alle Arbeitnehmer, die in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigte tätig sind, das Entgelttransparenzgesetz in Anspruch nehmen. Das Gesetz ermöglicht das Recht auf Auskunft darüber, was Kollegen in einer gleichwertigen Position verdienen. In unserer Umfrage gaben 76,6 Prozent der Frauen an, dass sie nach einer Gehaltserhöhung fragen würden, wenn sie erfahren würden, dass ein männlicher Kollege mit ähnlichen Fähigkeiten und Erfahrungen in einer gleichwertigen Rolle mehr verdient. Als einen Schritt in die richtige Richtung wertet Henrike von Platen die neue gesetzliche Regelung. Sie ist die Gründerin des FPI Fair Pay Innovation Lab, das Unternehmen bei der praktischen Umsetzung nachhaltiger Entgeltstrategien unterstützt und war von 2010 bis 2016 Präsidentin der Business and Professional Women Germany e.V.  Sie gibt zu bedenken: „Ein Gesetz ist immer nur so gut wie seine Anwendung, es muss mit Leben gefüllt werden. Nur wenn Männer wie Frauen ab Januar auch tatsächlich nachfragen, kann das Gesetz einen Beitrag zum Kulturwandel leisten“. So führt die Expertin weiterhin aus: „Jeder und jede ist gefragt, über Geld zu sprechen und auf Transparenz nicht zu verzichten, sondern diese einzufordern, wie es das neue Gesetz vorsieht. In Schweden ist jedes Unternehmen berichtspflichtig. Dagegen ist das deutsche Gesetz nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.“

e_Wunsch nach mehr Flexibilität

Welche Maßnahmen sind zur besseren Gleichstellung von Frauen und Männer nötig fragten wir unsere beiden Expertinnen. „Politische Rahmenbedingungen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöhen, sind wichtig, damit familienbedingte Erwerbsunterbrechungen kürzer werden“ antwortete Katharina Wrohlich, und ergänzt „Auch die stärkere Einbeziehung von Vätern in die Familienarbeit wäre ein Schritt in die richtige Richtung.“

„Wir alle müssen die Klischees in unseren Köpfen, die überholten Rollenbilder und Stereotypen hinterfragen“, meint Henrike von Platen. „Dazu brauchen wir keine Präsenz- sondern eine Ergebniskultur, flexible Arbeitszeitmodelle, die 32-Stundenwoche als neue Vollzeit, mehr Frauen in Führung und auch sonst mehr Diversität in Entscheidungspositionen.“ Die Expertin ist überzeugt: „Lohngerechtigkeit selbst ist einfach umzusetzen – wenn alle sie wollten, wäre sie schon morgen möglich“.

Was denken Sie über das Thema? Haben auch Sie bereits Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt? Dann berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen auf unserer Facebook-Seite oder auf Twitter.

blogpost featured image Dreiviertel der befragten Frauen, die Kinder haben (74,42 Prozent) sagten, dass sie die Umstände ihrer Arbeit ändern mussten seit sie Mutter geworden sind und 68 Prozent der Mamas wechselten nach dem Wiedereinstieg in den Beruf in die Teilzeit.
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