Introvertierte Führungskräfte: Warum ruhige Chefs oft erfolgreicher sind

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Man bemerkt sie selten auf Konferenzen. Sie reißen in Meetings nicht das Wort an sich. Sie hören lieber zuerst zu, bevor sie sprechen. Und dennoch ist ihr Einfluss in Organisationen oft nachhaltig, tiefgreifend und respektiert.

Introvertierte Führungskräfte sind nicht diejenigen, die in Success Stories am häufigsten genannt werden. Doch oft sind es gerade sie, die die stabilsten Unternehmenskulturen aufbauen, die engagiertesten Teams formen und die durchdachtesten Entscheidungen treffen. In einer Zeit, in der Sprache zu einer Währung des Einflusses geworden ist, wird das reflektierte Schweigen einer introvertierten Führungskraft zu einer Seltenheit… und zu einer Stärke.

Welche Stärken ruhige Chefs mitbringen

Im Gegenteil: Die Potenziale introvertierter Menschen werden oft unterschätzt. Stillere Menschen können nach Ansicht von Fachleuten besonders besonnene Führungskräfte sein. Und Mitarbeiter schätzen die Fähigkeit leiser Chefs, sich einzufühlen und zuzuhören.

Sylvia Löhken hat ein Buch zu diesem Thema geschrieben und meint: „Intros haben ganz eigene Stärken. Das ist ihr langer Atem, die Fähigkeit, dicke Bretter zu bohren und ihr Bedürfnis nach Sicherheit, das im Job sehr nützlich sein kann.” Eine Studie belegt sogar, dass ruhige Vorgesetzte in einer dynamischen Umgebung oft die effektiveren Führungspersönlichkeiten sind, da sie besser zuhören und offener für Vorschläge seien. Introvertierte Chefs sind daher ideal für moderne Arbeitsmodelle wie hybrides Arbeiten oder das Home Office.

Herausforderungen für introvertierte Führungskräfte

Dennoch kann es für stille Menschen eine große Herausforderung sein, die Führungsrolle einzunehmen. Hier ein paar Tipps, wie dies leichter gelingt:

  • Bei Veranstaltungen keinen wahllosen Smalltalk führen, sondern tiefere Gespräche. Das kommt auch beim Gesprächspartner gut an, der sich an den besonderen Austausch sicherlich erinnert.
  • „Management by walking around” ist eine gute Methode für ruhige Chefs: Besuchen Sie die einzelnen Mitarbeiter an ihrem Schreibtisch und führen Sie persönliche Gespräche.
  • Bauen Sie sich im Arbeitsalltag ganz bewusst Pausen und Rückzugsmöglichkeiten ein, um auftanken zu können.
  • Der persönliche Kontakt zu Mitarbeitern und Geschäftspartnern ist zwar wichtig, doch nicht immer zwingend notwendig. Oft ist eine Email mit einer eindeutigen und durchdachten Botschaft ebenso effektiv.
  • Ganz wichtig: Verstellen Sie sich niemals! Sie müssen nicht offen und impulsiv sein. Das ermüdet nur und macht krank.

Hin zu einer Neudefinition von Charisma

Charisma beschränkt sich nicht mehr auf die Kunst der Rhetorik. Wahres Charisma bedeutet heute, dass Denken, Worte und Handeln im Einklang stehen. Ein ruhiger Blick, ein treffendes Wort, eine konsequente Entscheidung: Das ist es, was langfristig inspiriert.

Mitarbeitende folgen nicht mehr demjenigen, der am lautesten spricht, sondern dem, der tut, was er sagt, und zuhört, wenn er etwas nicht weiß. Introvertierte Führungskräfte begeistern nicht die Massen, sie geben Teams Halt. Und genau diese stille Stärke ist vielleicht diejenige, die moderne Führung heute am dringendsten braucht.