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Business Networking: So netzwerkt Deutschland

Business Networking: So netzwerkt Deutschland

Es gibt zahlreiche Artikel, die einem erklären, wie man am besten netzwerkt, welche Veranstaltungen man aufsuchen sollte, wie man sein LinkedIn- oder Xing-Profil auf dem Laufenden halten soll und wie man die neuen Kontakte pflegt. Oft wird betont, dass es vor allem für Studenten, Berufseinsteiger und Frauen wichtig ist, richtig zu netzwerken.

Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut OnePoll eine repräsentative Studie unter 1000 deutschen Arbeitnehmern durchgeführt, um herauszufinden ob die Deutschen netzwerken, was sie tun, wie aktiv sie sind und ob es ihre Karriere wirklich nach vorne treibt. Dabei ergaben sich folgende interessante Ergebnisse.

 

Nur jeder dritte Deutsche netzwerkt aktiv

Bevor wir uns ansehen können, was die Deutschen tun, um ihr Netzwerk aufzubauen und zu erhalten, stellt sich erstmal eine entscheidende Frage: Netzwerken die Deutschen überhaupt? Oft wird es als extrem wichtig dargestellt, und trotzdem geben fast zwei Drittel (65%) unserer Studien-Teilnehmer an, dass sie nicht aktiv netzwerken. Die Mehrzahl (70%) der anderen 35% schätzt Networking dafür als ziemlich oder sehr wichtig für ihre Karriere ein.

Warum netzwerken wir Deutschen dann nicht mehr? Mehr als drei Viertel (77%) geben an, dass sie etwas vom netzwerken abhält. Davon sagt ein Drittel (30%) von sich selbst, zu wenig Zeit zu haben, jeder Zehnte (11%) sieht einen Mangel an Events in der Nähe und 36% sind am Networking schlicht nicht interessiert.

Wo und warum wir netzwerken

Das Drittel der Deutschen, die netzwerken, tut das dafür auch mit Grund. Die Hälfte (50%) gibt an, beim Netzwerken Leute aus der gleichen Branche kennenlernen zu wollen. 42% wollen außerdem Menschen treffen, die sich beruflich in der gleichen Situation befinden wie sie selbst und die die eigene Karriere unterstützen oder fördern können. Jeder Fünfte (21%) erhofft sich vom Netzwerken in Kontakt mit Personen zu kommen, die für Personalentscheidungen zuständig sind.

Die drei beliebtesten Arten zu netzwerken sind dabei an einer Arbeitskonferenz teilzunehmen (33%), mit Kontakten auf LinkedIn oder Xing zu sprechen (32%) oder mit Kollegen zu Events zu gehen (29%).

Doch das scheint nicht unbedingt die beste Strategie zu sein, denn die meisten Chancen entstehen bei Rekrutierungsmessen und Karrieretagen von Firmen, wo fast 40% schon einmal zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wurden oder einen Job oder eine Beförderung angeboten bekommen haben.

Allerdings sind die, die angeblich nicht netzwerken, trotzdem nicht untätig: fast die Hälfte aller Umfragen-Teilnehmer geben nämlich an, sich mindestens einmal pro Jahr mit ehemaligen Kollegen (48%) oder anderen beruflichen Kontakten (47%) zu treffen, um über die Arbeit zu sprechen. Vor allem die Pflege von beruflichen Kontakten ist wohl eine gute Idee, denn ein Drittel (34%) aller Befragten bekam dadurch ein Bewerbungsgespräch, einen Job oder eine Beförderung angeboten.

 

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Mit Vitamin B zum Job

Obwohl zwei Drittel nicht aktiv netzwerken, scheinen sie trotzdem hilfsbereit zu sein: fast jeder Dritte Deutsche hat schon einmal die Karriere von anderen unterstützt und 41% hatten zwar noch nicht die Gelegenheit, wären aber bereit dazu. Insgesamt nur 29% haben noch nicht geholfen und würden es auch nicht tun.

Anscheinend haben die Deutschen auch nicht unbedingt etwas dagegen, wenn jemand seinen Platz auf dem Bürostuhl durch Beziehungen bekommt. Fast jeder Dritte (28%) findet es fair, vorausgesetzt die Person ist gut in ihrem Beruf und 22% würden das Gleiche tun oder haben es bereits getan. Nur jeder Siebte (15%) hat etwas dagegen, weil die Person den Job eventuell nicht verdient.

 

Wie netzwerken Frauen und Männer?

Es gibt zahlreiche Artikel, die betonen, dass Frauen mehr, besser und auch anders netzwerken sollen als Männer. Die Ergebnisse unserer Umfrage bestätigen, dass viele Frauen nicht genug für ihr berufliches Netzwerk tun.

Denn fast drei Viertel (73%) der befragten Frauen geben an, dass sie nicht aktiv netzwerken, während das nur für 58% der Männer der Fall ist. Doch die Männer und Frauen, die netzwerken, finden es für ihre Karriere mit 70% gleich wichtig.

Was Frauen und Männer motiviert

Männer und Frauen, die netzwerken, verfolgen zum Großteil auch die gleichen Ziele. So wollen beide zu 42% Gleichgesinnte kennenlernen und etwa ein Drittel beider Geschlechter will Personen treffen, die einem wichtige Fähigkeiten beibringen können. Die drei wichtigsten Gründe für Männer, die sich von denen der Frauen unterscheiden, sind folgende:

  • 41% wollen potenzielle Kunden treffen (Frauen: -9%)
  • 25% wollen Personen treffen, die für Personalentscheidungen zuständig sind (Frauen: -12%)
  • 23% wollen Leute in hohen Management- oder Führungspositionen kennenlernen (Frauen: -6%)

Frauen netzwerken hauptsächlich aus diesen Gründen:

  • 54% wollen Leute aus der gleichen Branche kennenlernen (Männer: -7%)
  • 41% wollen Leute aus anderen Branchen kennenlernen (Männer: -8%)
  • 13% wollen einen Mentor finden (Männer: -3%)

 

Wo Chancen gesucht und gefunden werden

Auch die Art zu netzwerken unterscheidet sich bei Männern und Frauen nur in ein paar Aspekten. Mit Kollegen an einem sozialen Event teilzunehmen ist mit 37% für Frauen die wohl beliebteste Art zu netzwerken, während nur ein Viertel (25%) der Männer schon einmal an einem Event mit Kollegen teilgenommen hat. Dafür waren mit jedem Fünften (19%) schon mehr Männer auf Rekrutierungsmessen, im Vergleich zu nur jeder Neunten (11%) Frau.

Wenig verwunderlich sind deshalb auch die Karriere-Chancen, die Frauen und Männer bei Networking-Events bekommen haben. Rekrutierungsmessen und Karrieretage bei Firmen sind für Männer die erfolgreichste Art zu Netzwerken. Bei beidem wurde 42% der Männer ein Bewerbungsgespräch, ein Job oder eine Beförderung angeboten. Bei Frauen halten sich die verschiedenen Networking-Events in etwa die Waage, nur bei Rekrutierungsmessen schneiden sie mit 30% signifikant schlechter ab als Männer. Die meisten Karriere-Chancen entstehen dafür, wenn sie mit Kontakten auf LinkedIn oder Xing in Verbindung treten (38%) und bei Arbeitskonferenzen (37%), doch auch bei Karrieretagen von Firmen wurde 36% der Frauen schon einmal ein Angebot gemacht.

Wer sich mehr kümmert, bekommt mehr Chancen?

Wenn man sich ansieht, wie oft Männer und Frauen ihre Netzwerke pflegen, scheint es einen Zusammenhang dazwischen geben, wie oft man Chancen angeboten bekommt und wie gut man sich um sein Netzwerk kümmert. Mehr als die Hälfte (53%) der Männer trifft sich mindestens einmal im Jahr mit beruflichen Kontakten, um über die Arbeit zu sprechen, jeder achte (13%) Mann sogar einmal im Monat. Am meisten kümmern sich Frauen um ehemalige Kollegen, die 44% mindestens einmal im Jahr und 20% sogar mehrmals im Jahr treffen, um über die Arbeit zu sprechen.

Die drei größten Hindernisse, die Männer und Frauen vom Netzwerken abhalten, sind bei beiden Geschlechtern dieselben: fehlendes Interesse an Networking, Zeitmangel und zu wenige Events in der Nähe. Ein weiteres Hindernis, das für Frauen größer ist als für Männer, ist die Angst, neue Leute kennenzulernen.

 

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Netzwerken lohnt sich – die Jungen machen’s vor

Networking wird besonders für junge Leute oft als besonders wichtig dargestellt. Umso erfreulicher, dass fast 60% der Millennials (18- bis 34-Jährige) aktiv netzwerkt. Bei den Teilnehmern der Generation 55+ ist es dafür nur jeder Fünfte (22%). Millennials schätzen Networking aber auch als viel wichtiger ein als der deutsche Durchschnitt: neun von zehn sagen, es sei ziemlich oder sehr wichtig für ihre Karriere.

Leute aus der gleichen Branche und Gleichgesinnte zu treffen ist für alle Altersgruppen ein wichtiger Grund für Networking. Interessanterweise möchte fast ein Viertel (24%) der 35- bis 44-Jährigen jemanden kennenlernen, der in der Traumfirma arbeitet, im Vergleich zu nur jedem Sechsten (16%) der Jüngeren.

Größte Erfolge für Millennials

Anscheinend zahlen sich die Bemühungen der Millennials aber auch aus. Fast zwei Drittel (64%) haben bei einer Rekrutierungsmesse schon ein Bewerbungsgespräch, einen Job oder eine Beförderung angeboten bekommen, und auch bei Workshops konnten 63% punkten. Keine andere Altersgruppe unserer Umfrage ist beim Networking so erfolgreich. Außerdem hat die Hälfte (50%) der Millennials über berufliche Kontakte und 44% über die Eltern Karriere-Chancen erhalten, wobei jeder Sechste sogar einen Job durch die Eltern bekommen hat.

Kontakte regelmäßig pflegen

Zusätzlich kümmern sie sich auch gut um ihre Kontakte. Ein Sechstel (17%) trifft sich mit ehemaligen Kollegen einmal pro Woche, um über die Arbeit zu reden, und mehr als ein Drittel (36%) nimmt mindestens einmal im Monat an einem Webinar teil.

Das ist eigentlich verwunderlich, denn 30% der Millennials gibt an, nicht genug Zeit zum Netzwerken zu haben und 20% bemängeln auch, dass es nicht genug Events in ihrer Nähe gibt. Je älter die Umfragen-Teilnehmer sind, desto weniger sind sie allerdings an Networking interessiert. Mehr als die Hälfte (51%) der über 55-Jährigen interessiert sich nicht dafür.

 

Mit Networking in die Führungsebene?

In unserer Umfrage wollten wir auch herausfinden, wie in den verschiedenen Job-Positionen genetzwerkt wird. Dabei fällt auf, dass es von Nachwuchskraft bis Geschäftsführung ein Ziel ist, andere aus der gleichen Branche kennenzulernen. Auffällig, wenn auch nicht weiter verwunderlich, ist, dass die Hälfte derer im Senior Management und sogar 56% der Geschäftsführer netzwerken, um potenzielle Kunden zu treffen. Für 47% der Nachwuchskräfte und Freelancer ist es zusätzlich wichtig, so viele Kontakte wie möglich zu knüpfen. Außerdem schätzen 89% der Arbeitnehmer im Senior Management und 88% der Nachwuchskräfte Networking als ziemlich oder sehr wichtig für ihre Karriere ein.

Umso überraschender ist es, dass nur etwa ein Viertel der Nachwuchskräfte mindestens einmal im Jahr Networking-Events besucht (23%) oder an Webinaren teilnimmt (26%). Im Gegensatz dazu tut das mehr als die Hälfte der Geschäftsführer mit je 52%. Generell sind Geschäftsführer in allen Networking-Bereichen in unserer Umfrage aktiver als Nachwuchskräfte – vielleicht ist das Teil ihres beruflichen Erfolgs?

 

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Online vs Offline

Anscheinend netzwerken die Deutschen lieber offline als online. Nur 36% der Netzwerkenden haben schon einmal mit einem Kontakt oder einem Personalvermittler auf LinkedIn oder Xing gesprochen. Zwar sind das mehr als bei manchen anderen Offline-Veranstaltungen, doch angesichts der Tatsache, dass 90% der Deutschen einen Internetanschluss haben, ist es verwunderlich, dass die Zahl nicht höher ist.

Auch Millennials bevorzugen online nicht zu offline. Nur etwa ein Viertel der aktiven Netzwerker hat schon einmal mit einem Kontakt (25%) oder einem Recruiter (22%) auf LinkedIn oder Xing gesprochen. Das scheint allerdings relativ effektiv zu sein, denn mehr als die Hälfte (55% bzw. 59%) hat so ein Bewerbungsgespräch, einen Job oder eine Beförderung angeboten bekommen.

Die Hälfte der 18- bis 34-Jährigen kümmert sich trotzdem mindestens einmal im Jahr darum, ihr LinkedIn- oder Xing-Profil zu aktualisieren, neue Kontakte zu finden, auf LinkedIn oder Xing mit Kontakten oder Recruitern zu sprechen, oder an Webinaren teilzunehmen.

Das Gleiche tun nur etwa 23% der Nachwuchskräfte und Freelancer. Da sind Geschäftsführer um einiges aktiver: die Hälfte (50%) netzwerkt mindestens einmal im Jahr online.

 

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Haben Sie schon einmal einen Job durch Beziehungen bekommen oder haben jemand anderem geholfen? Erzählen Sie uns doch von Ihren Erfahrungen auf unserer Facebook-Seite oder auf Twitter.

Oft wird Networking als extrem wichtig dargestellt, und trotzdem geben fast zwei Drittel unserer Studien-Teilnehmer an, dass sie nicht aktiv netzwerken.
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